Hälfte der Schüler NRWs lernt im Ganztag.

Hälfte der Schüler NRWs lernt im Ganztag
Bezirksschülervertretung fordert Reform

ENNEPE-RUHR. Etwa 48 Prozent der rund 1,7 Millionen Schüler NRWs bis zur Oberstufe besuchten im Jahr 2016/2017 eine allgemeinbildende Ganztagsschule - Das belegt eine Pressemitteilung von "Information und Technik NRW" vom 18.10.2017. Eine Zahl, die für sich spricht und aus Sicht des kreisweiten Schülerverbands Bezirksschülervertretung (BSV) Ennepe-Ruhr weitreichende Reformen notwendig macht. "Wenn immer mehr von uns den Ganztagsbetrieb in Anspruch nehmen, muss dieser entsprechend ausgestattet sein - auch personell", so Luca Samlidis (18), Pressesprecher der Organisation.

Der Ennepe-Ruhr-Kreis liegt mit 42% ganztags betreuter Schüler knapp unter dem Landesdurchschnitt von 48%. Das sind 7% mehr als vor fünf Jahren. Zusätzlich werden 5% der Schülerschaft anderweitig betreut.

Der größte Anteil der ganztägig lernenden Kinder und Jugendlichen ist im gebundenen Ganztag zu finden. Der Anteil an der Gesamtschülerzahl beträgt hier 23%.

Schüler fordern Reform

"Der Ganztagsbetrieb gehört zu einer modern Gesellschaft und wird von uns unterstützt", äußert sich Till Neumann (17), Bezirksschülersprecher für den EN-Kreis positiv. "Wir befinden uns auf dem richtigen Weg", so Till Neumann weiter. Die konkrete Ausgestaltung des Ganztags stößt jedoch auf heftige Kritik seitens der Schüler. Die rückläufigen Schülerzahlen hießen nicht, dass weniger Mühe und Geld in Bildung investiert werden müsse, so die Schüler. Ein inklusiver Ganztag könne nur mit ausreichend Sonderpädagogen, Lehrpersonal und Verwaltungskräften beschritten werden - parallel zu einer Umstellung der Unterrichtszeiten.

Darüber hinaus mangelt es noch an anderen Stellen erheblich. "Die Ausstattung lässt mehr als zu wünschen übrig", sagt Till Neumann. Beispielhaft nennen die Schüler fehlende digitale Tafeln, kaputte Projektoren und Schulbücher aus den 90er Jahren.

"Mehr Stunden heißen nicht mehr Kapazität"

Die BSV kritisiert die mangelnde Anpassung des Unterrichts und dessen Organisation an die langen Tage. "Nach sechs oder sieben Stunden Unterricht noch eine wichtige Stunde Mathe bringt niemandem etwas", so der BSV-Vorstand. Pausenzeiten mit ausreichend Freizeitmöglichkeiten seien unabdingbar, ebenso wie die Entschlackung der Lehrpläne. "Wozu ist Schule gut? Bestimmt nicht dafür, dass wir das Gelernte nach zwei Wochen wieder vergessen", spiegelt Luca Samlidis die Situation überspitzt wider. Der Appell der Schüler ist klar: Ja zum Ganztag, aber reformiert.